Mit der eingetretenen Deeskalation im Nahen Osten nehmen die Rückschlagsgefahren für die europäischen Aktienmärkte kurzfristig ab. Bestimmt wird der mittelfristige Aufwärtstrend ohnehin
maßgeblich von einem starken Gewinnzyklus und nicht von geopolitischen Risiken. Als globaler Treiber erweist sich der Boom im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und der damit verbundene Halbleiterzyklus. Dieser verleiht deninternationalen Aktienmärkten kräftigen Rückenwind.
Für deutsche Aktien sind wir konstruktiv gestimmt und erwarten den DAX bis zum Jahresende 2026 bei 27.500 Punkten. Bis Mitte 2027 rechnen wir mit einer anschließenden Bewegung um diese Marke. Diese Entwicklung wird vor allem von den Unternehmensgewinnen getragen: Nach zwei schwachen Jahren liegt die durchschnittliche Gewinnerwartung der DAX-Unternehmen in
diesem Jahr bei 15% und im kommenden Jahr bei 13%.
Neben dem angesprochenen boomenden Halbleitermarkt erweist sich für den DAX die jüngste Entspannung am Ölmarkt als Impulsgeber. Zwar ist die wirtschaftliche Aktivität schwach, doch die Unternehmen sind international aufgestellt. Der DAX dürfte sich weiterhin von der heimischen Konjunktur abkoppeln und trotz der jüngst gesenkten Wachstumsprognosen für Deutschland eine positive Entwicklung zeigen. Seine Stärke beruht vielmehr auf global agierenden Konzernen und sektoralen Sondereffekten.
Maßgeblich für die positive Dynamik am US-Aktienmarkt, die den S&P 500 zeitweise auf neue Rekorde von über 7.600 Punkten steigen ließ, ist der globale Aufschwung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) und derdamit verbundene Halbleiterzyklus.
Der globale Halbleitermarkt erlebt derzeit eine bemerkenswerte Wachstumsphase, wie Zahlen des Verbands der Halbleiterindustrie (SIA) zeigen. So lag der globale Halbleiterumsatz auf Basis des Dreimonatsdurchschnitts im März 2026 bei knapp 100 Mrd. US-Dollar. Damit liegt der Markt deutlich über dem Hoch von 2022 und das Wachstum hat sich in den letzten Monaten sehr dynamisch beschleunigt. Gegenüber dem Vorjahr betrug das Wachstum zuletzt rund 80%.
Halbleiterunternehmen stellen eine tragende Säule des globalen Technologiesektors dar und machen etwa die Hälfte seiner Marktkapitalisierung aus. Vor dem Hintergrund eines prognostizierten Gewinnwachstums von weit über 70% in diesem Jahr und 40% im kommenden Jahr ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Konsensschätzung zuletzt gesunken. Die Gewinnerwartungen steigen schneller als die Kurse.
Diese erfreulichen Gewinnerwartungen erscheinen aus mehreren Gründen erreichbar. Neben der Stärke im Halbleitersektor profitieren die Unternehmensgewinne von einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung, die durch das Fiskalpaket (OBBBA) gestützt wird. Gleichzeitig signalisiert eine Reihe außergewöhnlich großer Börsengänge für 2026 eine hohe Risikobereitschaft und stützt die positive Marktstimmung.
Fundamentalen Rückenwind liefert zudem die Geldpolitik. Die Sorge des Marktes, die US-Notenbank könnte die Leitzinsen wegen höherer Energiepreise länger hochhalten oder gar anheben, teilen wir nicht. Wir rechnen bis zum Jahresende mit stabilen Leitzinsen und einer Lockerung auf Jahressicht.
Im ersten Halbjahr 2027 erwarten wir dann beim S&P 500 eine Seitwärtsentwicklung um 8.500 Zähler, da sich das Gewinnwachstum verlangsamt. Hierdurch fehlt der entscheidende Treiber für weitere Kursgewinne bei schon hohen Bewertungen. In diesem Marktumfeld dürften sich Phasen der Euphorie und kurzfristige Rückschläge die Waage halten. In Summe erwarten wir daher eine Konsolidierung, aber keinen deutlichen Rückschlag des Marktes.