US-Dollar: US-Zinserhöhungserwartungen bilden sich weiter zurück
Das schon seit der letzten FOMC-Sitzung Ende Juli zu beobachtende langsame Abschmelzen der Zinserhöhungserwartungen in den USA setzte sich auch in der letzten Woche fort. Mittlerweile ist eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung Mitte September nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 30% eingepreist. Auch für die folgenden Sitzungstermine wurden die am Markt erwarteten Sätze weiter zurückgenommen. Diese Anpassung wurde zunächst durch die positiven Preiszahlen aus den USA unterstützt. Die Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Anleiherückkäufe auszuweiten, verstärkte den Abwärtsdruck auf den US-Dollar.
Pro US-Dollar:
- Geopolitische Eskalation im Nahen Osten
- US-Wirtschaft zeigt sich bislang noch recht robust
- EWU-Konjunktur könnte durch Iran-Krieg belastet werden
Contra US-Dollar:
- Geopolitische Entspannung
- Fed senkt mittelfristig den Leitzins, EZB erhöht
- Steigende US-Staatsverschuldung
Kursverlauf und -erwartungen Euro-Dollar
Mit dem Auspreisen der US-Zinserhöhungserwartungen hat der Euro zum US-Dollar leicht aufgewertet. Wir rechnen nach wie vor mit höheren Euro-Dollar Notierungen. Dafür sprechen eine zunehmende Wachstumsdynamik in der Eurozone, die geldpolitische Divergenz zwischen EZB und Fed sowie ein perspektivisch nicht mehr ganz so robustes US-Wachstum. Aufgrund Trumps erratischer Wirtschaftspolitik dürften Investoren zudem tendenziell ihr USD Exposure reduzieren.
Das Highlight werden am Freitag, den 21. August, die Verbraucherpreisdaten für Juli sein. Die Gesamtinflationsrate dürfte von 1,6% (J/J) auf 1,9% steigen, wobei auch die Kerninflationsrate zunehmen wird. Sollte sich dies tatsächlich bestätigen, würde in der Meinung des Marktes der Druck auf die Bank of Japan (BoJ) steigen, bereits bei ihrer Sitzung im September (statt Oktober) eine Zinserhöhung ernsthaft in Betracht zu ziehen. Ein solcher Schritt dürfte zur Stärkung des Yen beitragen und könnte die Wirksamkeit von Interventionen am Devisenmarkt erhöhen.
Kursverlauf und -erwartungen Euro-Yen
Nach Beilegung des Iran-Kriegs könnte ein korrigierender US-Dollar in Kombination mit einer langfristig erwarteten Fed-Senkung zu einer positiven Wahrnehmung der BoJ-Politik führen und Impulse zugunsten des Yen setzen.
Was die Geldpolitik betrifft, hat die Bank of England (BoE) den Leitzins im Juli unverändert bei 3,75% belassen. Aufgrund steigender Energiepreise und Inflationssorgen erwarten wir eine Zinserhöhung im Schlussquartal 2026, eine weitere dürfte im Frühjahr 2027 folgen. Als Nachfolger des unpopulären Premierministers Starmer wurde der ehemalige Oberbürgermeister von Manchester, Andy Burnham, gewählt. Er befürwortet eine expansivere Finanzpolitik. Allerdings dürften die Finanzmärkte mit höheren Renditen am Staatsanleihenmarkt und einer Abwertung des Pfunds reagieren, sollte Burnham eine solche Politik umsetzen. Zudem ist die Steuerlast so hochwie seit 50 Jahren nicht mehr, sodass Burnham nur einen begrenzten Handlungsspielraum hat.
Kursverlauf und -erwartungen Euro-Pfund
Trotz der politischen Unsicherheiten blickten die Märkte in den letzten Wochen wieder wohlwollender auf das Pfund. Burnham wird positiver gesehen als Starmer. Ob es jedoch so weitergeht, ist fraglich, da Burnham nun schwierige Entscheidungen treffen muss. Der Euro dürfte Boden gutmachen und in Richtung 0,87 Pfund steigen.
Der Euro hat in den vergangenen Tagen gegenüber dem Schweizer Franken weiter an Wert gewonnen und die Marke von 0,94 Franken getestet. Zwar bleiben mit Blick auf den Nahen Osten geopolitische Risiken präsent, eine wachsame Schweizerische Nationalbank und die Möglichkeit weiterer Interventionen der SNB wirken einem erneuten Aufwertungsdruck des Frankens entgegen.
Kursverlauf und -erwartungen Euro-Franken
Während die EZB im September abermals ihren Leitzins anheben dürfte, behält die SNB ihre Nullzinspolitik aufgrund der niedrigen Inflation wohl bei. Diese geldpolitische Divergenz belastet den Franken. Der Effekt dürfte nun aber weitgehend in den Devisenkursen eskomptiert sein.
Im Falle einer nachhaltigen Deeskalation im Nahen Osten könnte der Franken noch weitere moderate Kursverluste erleiden.