Rentenmärkte

Rentenmärkte

Energiepreise und Rentenmarkt

Mitte Mai ist die zehnjährige US-Staatsanleihenrendite auf fast 4,70% gestiegen. Als treibenden
Faktor betrachten wir den sprunghaften Anstieg der US-Inflation. In den nächsten Monaten dürfte die Teuerungsrate trotz der jüngsten Deeskalation im Nahen Osten zunächst noch auf erhöhtem Niveau verblei­ben. Der bisherige Anstieg der Energiepreise hinterlässt noch seine Spuren und dürfte allmählich auch auf andere Bereiche des Warenkorbs, wie etwa die Nah­rungsmittelpreise, übergreifen. Ebenfalls stützend auf die Renditen wirkt, dass sich die US-Wirtschaft trotz globaler Widrigkeiten, getragen vom Boom der künstlichen Intelligenz, erstaunlich resilient präsentiert. Aufgrund unseres rollierenden Prognosehorizonts fällt unsere Prognose von 4,60% für die zehnjährige Rendite nun in den Dreimonatszeitraum.

Auf Jahressicht sehen wir Spielraum für ein etwas niedrigeres Rendite­niveau. Dabei unterstellen wir aufgrund eines energiepreisbedingten Basis­effekts einen nachlassenden Inflationsdruck. Des Weiteren gehen wir davon aus, dass die derzeit durch den KI-Boom getriebene konjunkturelle Dynamik allmählich an Tempo einbüßt. In diesem Umfeld dürfte auch die Fed ihren Zinssenkungspfad wieder aufnehmen. Für die zehnjährige Rendite sehen wir auf Jahressicht weiterhin den Bereich um 4,40% im Visier. Das Abwärtspoten­zial für die Renditen wird jedoch durch die US-Fiskalpolitik begrenzt. Da die US-Administration ihren Schuldenkurs ungebremst fortsetzt, werden die Marktteil­nehmer wohl eine gewisse Risikoprämie einfordern.

Ein Liniendiagramm mit dem Titel "10-jährige US-Treasuries" über den Zeitraum 2021–2027. Gezeigt werden drei Kurven: eine orangefarbene Linie für die nominale Rendite der 10-jährigen US-Treasuries, die von etwa 1,5–2 % in 2021 auf rund 4–5 % bis 2024–2027 ansteigt; eine graue durchgezogene Linie für die reale Rendite, die 2021 tief negativ (bei etwa -6 %) startet, bis 2023 stark ansteigt und danach um 0–2 % schwankt; und eine orange gepunktete Linie als DZ BANK Prognose, die den Verlauf der nominalen Rendite in die Zukunft fortsetzt. Auf der y-Achse sind Prozentwerte von -8 % bis 6 % angegeben, auf der x-Achse die Jahre 2021 bis 2027. Unten steht die Quelle: FactSet, DZ BANK AG.

Seit der Veröffentlichung unserer letzten Zinsprognose hat sich die zehnjährige Bund-Rendite in einer Spanne von rund 2,90% bis 3,20% präsentiert. Das Sentiment am Rentenmarkt wird weiterhin von den Geschehnissen im Mittleren Osten und deren Auswirkungen auf die Inflation im Euroraum geprägt. Infolge des Energiepreisschubs ist auch in den kommenden Monaten von einem noch etwas zunehmenden und sich verbreiternden Preisdruck (Kernrate) auszu­gehen. Diesem tragen die europäischen Währungshüter wohl durch eine weitere behutsameStraffung der Zinszügel im September Rechnung.

Auf Jahressicht sehen wir die Entwicklung der zehnjährigen Bund-Rendite im Spannungsfeld zwischen perspektivisch niedrigeren Preissteigerungs­raten und einer wieder anziehenden konjunkturellen Dynamik. Der aus­schlaggebende Faktor, warum wir unsere Prognose für die zehnjährige Bund-Rendite auf Jahressicht auf 2,90% nach unten angepasst haben, ist der Um­stand, dass wir eine Zinssenkung der EZB für diesen Zeithorizont neu in unsere Zinsprognose aufgenommen haben. Einem stärkeren Renditerückgang steht die nach wie vor bestehende Verschuldungsproblematik entgegen.

Fazit und Anlagemöglichkeiten:

Die Entwicklung am Rohölmarkt und die Geschehnisse am Persischen Golf haben den Euro-Rentenmarkt geprägt. Da die EZB aufgrund der erhöhten, energiepreis­bedingten Inflation noch einen weiteren Zinsschritt durchführen sollte und die belas­tenden Faktoren für den Rentenmarkt auf Sicht der kommenden Monate überwie­gen, sollten weiterhin kürzere bis mittlere Laufzeiten in einem breit angelegten Staatsanleiheportfolio übergewichtet werden.

Ein Liniendiagramm mit dem Titel "10-jährige US-Staatsanleihenrendite vs. Bund" (Zeitraum 2021–2027). Es zeigt zwei Renditeverläufe: orange gepunktete Linie für die Rendite 10 J. US-Treasuries und eine durchgezogene blaue Linie für die Rendite 10 Jahre Bund. Zusätzlich sind für beide Reihen DZ BANK Prognosen markiert (orange Punkte für US-Treasuries, blaue Punkte für Bund). Die US-Renditen steigen von etwa 1–2 % (2021) auf rund 4–5 % (2023–2024) mit leichten Schwankungen, die Bund-Renditen steigen ebenfalls von negativen bis niedrigen positiven Werten (nahe 0 % oder leicht negativ 2021) auf etwa 2–3 % bis 2024–2026. Quellenangabe: FactSet, DZ BANK AG.

Zinsprognose, Rendite- und Zinsentwicklung

Zinsprognose vom 12. Juni 2026 17.06.2026 +3 Monate +6 Monate +12 Monate 31.12.2026
Refi Satz 2,40 2,65 2,65 2,40 2,65
EZB-Einlagenzins 2,25 2,50 2,50 2,25 2,50
3-Monats-Euribor 2,42 2,55 2,55 2,25 2,55
10 Jahre 2,93 3,10 3,20 2,90 3,20
Vereinigte Staaten
Fed-Funds-Target 3,50-3,75 3,50-3,75 3,50-3,75 3,25-3,50 3,50-3,75
10 J. Treasuries 4,50 4,60 4,50 4,40 4,50
Quellen: FactSet, DZ BANK
Ein Liniendiagramm mit dem Titel „Rendite und Zinsentwicklung Euroraum“ (Alle Werte inklusive DZ BANK Prognosen). Auf der x‑Achse sind die Jahre 2021 bis 2027 abgebildet, auf der y‑Achse die Prozentpunkte von etwa -2% bis 5%. Gezeigt werden drei Zeitreihen: Rendite 2 Jahre Bund (blaue Linie), Rendite 10 Jahre Bund (orange Linie) und der EZB‑Hauptrefinanzierungssatz (rote/orange Linie). Die Kurven zeigen einen deutlichen Anstieg der Renditen ab 2021 bis in die Jahre 2022–2023, einen Höchststand um 2023/2024, danach ein leichtes Abflachen und seitlich verlaufende Werte. Für 2026–2027 sind prognostizierte Werte als Punkte eingetragen. Quellenangabe: FactSet, DZ BANK AG. Hier wird ein Bild angezeigt

Hinweis

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