Das US-Finanzministerium hat angekündigt, dass das Volumen an Anleiherückkäufen vom 9. September an mindestens verdoppelt werden soll. Damit soll einem weiteren Renditeanstieg der US-Staatsanleihen entgegengewirkt werden. Die zunächst noch anhaltende Unsicherheit über den Fortgang der Lage im Nahen Osten dürfte das lange Ende auf Sicht von drei Monaten weiter um die Marke von 4,60% pendeln lassen.
Auf Sicht von sechs und zwölf Monaten erwarten wir am langen Ende moderat niedrigere Renditen, was auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen ist. Einerseits dürfte eine diplomatische Lösung in Nahost die Energiepreise drücken und die Inflation spürbar dämpfen. Andererseits rechnen wir im kommenden Jahr mit einer nachlassenden US-Konjunkturdynamik: Der KI-Boom dürfte an Schwung einbüßen, während gleichzeitig die fiskalischen Impulse der Steuersenkungen aus der „One Big Beautiful Bill“ auslaufen. Unter dem Eindruck dieser wirtschaftlichen Abkühlung dürfte sich die Rendite zehnjähriger Treasuries auf Jahressicht bei rund 4,40% einpendeln.
In den zurückliegenden vier Wochen war mit Blick auf die Entwicklung der zehnjährigen Bund-Rendite eine seitwärtsorientierte Tendenz in einer von etwa 3,08% bis rund 3,20% reichenden Spanne vorherrschend, ehe die Bund-Rendite diese Range überwand. Das Sentiment am Rentenmarkt bleibt weiterhin geprägt von der verzwickten Lage im Nahen Osten. Es ist zu befürchten, dass die Unsicherheit über eine Lösung des Konflikts zunächst noch anhält. Über kurz oder lang wächst für beide Konfliktparteien allerdings der Druck, sich auf eine Kompromisslösung einzulassen. Der zunächst noch unsicheren geopolitischen Lage Rechnung tragend, bleibt die Bund-Rendite zunächst noch bei rund 3,10% gut unterstützt.
Unsere Prognose auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten sieht weiterhin Raum für moderat niedrigere zehnjährige Bund-Renditen. Dahinter steht ein Tauziehen am langen Ende: Entlastungen von der Energieseite dämpfen die Inflation und sprechen für ein niedrigeres Zinsniveau. Gleichzeitig fungieren die sinkenden Energiepreise – flankiert von den fiskalischen Paketen der Bundesregierung – als Konjunkturstimulus. Diese wirtschaftliche Belebung dämpft wiederum den Abwärtsspielraum der Renditen am langen Ende.
Zur Finanzierung der Fiskalmaßnahmen nimmt der Bund verstärkt den Kapitalmarkt in Anspruch. Inwieweit die zunehmende Verschuldung dabei hilft, einen selbsttragenden Aufschwung zu erreichen, muss sich erst noch erweisen. In diesem Zusammenhang stößt der Verschuldungskurs der Bundesregierung bei Anleiheinvestoren nicht auf Begeisterung. Wir sehen die anhaltende Zurückhaltung der Investoren als einen Aspekt, der perspektivisch das Rückgangspotenzial der zehnjährigen Bund-Renditen begrenzen dürfte.
Fazit und Anlagemöglichkeiten:
Die Geo- und Geldpolitik prägt derzeit den Euro-Rentenmarkt. Unter-Chance-Risiko-Gesichtspunkten könnten weiterhin kürzere bis mittlere Laufzeiten in einem breit diversifizierten Staatsanleiheportfolio übergewichtet werden.